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Hier habe ich einen überaus interessanten Kommentar gefunden. Aber lest selbst...


Welcher Fünfjährige regt sich denn noch über küssende Männer oder knutschende Frauen auf? Es sei denn, er wird von schwachmatischen Erwachsenen dazu aufgestachelt. Und davon soll’s ja so einige geben.


Eher zufällig fiel mir neulich ein Traktat in die Hände, das in ungeahnter Deutlichkeit zeigt, welch fundamentalchristliche Sektierer sich mittlerweile wieder unter auns tummeln. Vergesst den Bible-Belt im Mittleren Westen der USA. Verglichen mit dem folgenden war selbst Papst Johannes Paul II. ein milder Aufklärer.

Nach Öffnen des Briefumschlags erwartet mich im Briefkopf eine hochdramatische Szene, in der zwei adrett angezogene Kinder (das Mädchen im 50er-Jahre-Kleid mit Puffärmeln, so muss es sein) vor der Glotze sitzen, aus der sich ein sichtlich unangenehm riechender Brei aus Puppen mit abgerissenen Köpfen, Alkoholflaschen, alten Schuhen (augenscheinlich aus der Zeit vor Charlie Chaplins „Modern Times“) und angedeuteter Kotze ergießt. Sinnigerweise kreisen auch noch Fliegen über der Szenerie. So ungefähr muss sich ein um 1920 Geborener mit fortgeschrittener Alzheimer die aktuellen Wohnzimmer Deutschlands vorstellen. Die beiden Kinder sehen etwas ratlos aus, selbst das züchtige Mädchen starrt debil vor sich hin, anstatt aufzuspringen und ihrem Bruder die bekotzten Schuhe zu säubern, wie es sich für Frauen in dieser Gesellschaft gehört.
Nur die Überschrift weiß Bescheid: „Kinder in Gefahr“ steht über der Zeichnung, und so heißt auch die Aktion, die unter dem Dach der „Deutschen Vereinigung für eine Christliche Kultur (DVCK) e.V.“ eine wohnliche Heimstatt gefunden hat. Die DVCK ist laut eigenen Angaben „eine private Initiative ohne offizielle Bindung an Kirchen oder politischen (sic!) Parteien. Die Orientierung ist katholisch, der Tätigkeitsbereich überkonfessionell.“

Wer jetzt ein wenig die Orientierung verloren hat, der sollte sich einfach immer scharf rechts halten, immer scharf rechts, dann landet er genau im Herzen der DVCK. Der Brief geht sofort in die Vollen: „Möchten Sie, daß morgen, beim Schulausgang, ein Paar als Frauen verkleidete Homosexuelle Ihre Kinder oder Enkel anstarrt?“ Wie bitte? „Möchten Sie, daß Ihre Kinder Schulkameraden haben, die keine Mutter, aber zwei Väter oder keinen Vater, aber zwei Mütter haben?“ (Hier darf bereits bezweifelt werden, dass die Zielgruppe des Briefs einen solch komplexen Satz überhaupt versteht.) „Möchten Sie, daß Ihre Kinder aufwachsen und die Homosexualität als etwas völlig Normales ansehen?“ Ja, verdammt nochmal, exakt das will ich! Wobei, das sind ja gleich zwei Wünsche auf einmal, aber gut: erst einmal sollen sie aufwachsen (und nicht etwa kleinwüchsig am Boden verharren), und dann, ja dann sollen sie gerne Homosexualität als etwas völlig Normales ansehen. Das fände ich eine gute Kombination.

Und was will die DVCK? Sie will die „umfassende moralische Krise“ abwenden, in die Deutschland dank der rot-grünen Regierung immer mehr zu versinken drohe und die zu einem „Deutschland ohne Werte und Prinzipien“ führe. Aber der Unterzeichner Mathias von Gersdorff kann auch noch deutlicher werden: „Pädophilie, Pornographie im TV, erotische Blätter wie „Bravo“ für Kinder und Jugendliche... Was soll denn demnächst noch kommen? Kannibalismus, Nekrophilie und Polygamie?“ Na, Gott bewahre, oder gar das tausendjährige Reich römisch-katholischer Nation? „Es ist höchste Zeit, daß dieser Dekadenzprozeß gestoppt wird. Und hierzu brauche ich Ihre Hilfe.“ Er braucht Geld, der Mathias, soviel ist mal klar. Nicht umsonst erwähnt er ganze vier Mal die Möglichkeit von Spenden. Er hat eben verstanden, dass man besser den Mammon anbetet - der ist wenigstens nicht links und hat auch keine Studentenrevolte angezettelt.
Im Brief wird weiter betont, dass es sich bei den Homosexuellen um eine „winzigkleine Minderheit“ handele. Nun stellen die Homosexuellen schon seit Jahrzehnten, Jahrhunderten und der Steinzeit ca. fünf Prozent der Bevölkerung, was man keineswegs als „winzigklein“ bezeichnen sollte. „Winzigklein“, lieber Herr von Gersdorff, ist höchstens die Chance, dass Sie irgendwann mal Bundesvorsitzender der vereinigten C-Parteien werden.

Aber es kommt noch besser: „Die ‚Homo-Ehe’ ist nichts anderes als eine Kopie der traditionellen Ehe, ausgestattet mit allen Pflichten und Rechten.“ Ähm, ja, genau. So ist es wohl gedacht. Nicht, dass ich auch nur einen Deut auf die Ehe geben würde oder gar an sie glaubte (ja, mit wäre sehr viel lieber die Homosexuellen würden darauf bestehen, dass sie auch für die Heterosexuellen abgeschafft wird, auf die Idee kommen aber leider die wenigsten), aber wer Steuern zahlt wie jeder andere Hetero auch und die Wirtschaft durch verzweifelten Extrem-Konsum anzukurbeln versucht (ich sag nur: DONK, double income, no Kitaplatz), für den müsste es ein verdammte Selbstverständlichkeit sein, auch dieselben Rechte zu genießen. Darüber überhaupt noch diskutieren zu müssen, das ist der eigentliche Skandal.

„Aber“ – ja? „Aber“ – was denn noch? „Aber die Botschaft eines solchen Gesetzes ist klar: Für unsere Kinder soll Homosexualität etwas völlig Normales sein.“ Ist es doch schon, Herr von Gersdorff, ist es doch schon. News for you: Welcher Fünfjährige regt sich denn noch über küssende Männer oder knutschende Frauen auf? Es sei denn, er wird von schwachmatischen Erwachsenen dazu aufgestachelt.
Aber Aufstacheln, das ist Ihnen ja völlig fremd, Herr von Gersdorff, stimmt’s? „Im Grunde genommen, gehen die Erfolge der Homo-Lobby in den letzten Jahren gar nicht auf das Konto der Homosexuellen selbst, denn sie sind eigentlich völlig machtlos, sondern es sind Durchbrüche der linken Medien und linker Politiker, denen es aber gar nicht primär um die Homosexuellen, sondern um die Zerstörung der christlichen Wurzeln unseres Landes geht. Gegen diese Unverschämtheit müssen wir aufstehen!“ Klar, die Homos sind eh alle unpolitisch und machtlos, weil sie gar nicht die Zeit dafür haben für ihre Rechte zu kämpfen bei all den Terminen: hier eine Sexparty, die Eröffnung eines neuen S/M-Clubs dort, und dann die stetige Duchexerzierung aller möglichen Stellungen (Missionarsstellung ausgenommen) mit ständig wechselnden Partnern! Und sowas will Kinder adoptieren? „Wir müssen unbedingt viele Menschen mobilisieren und informieren, damit diese rotgrünen Alpträume nicht Realität werden.“ Als da wären Projekte wie die der rotgrünen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, „die die Homosexualität bei Jugendlichen finanziell fördern“ – nun, sicherlich herausgeschmissenes Geld, wenn man bedenkt, dass es unter homosexuellen Jugendlichen, die man mit ihrem Coming Out allein lässt, erwiesenermaßen dramatisch erhöhte Selbstmordraten gibt, und letztlich könnte man das Geld ja auch der DVCK zukommen lassen, nicht wahr? Eine Fliege auf zwei Klappen geschlagen, sozusagen. Übrigens würde mich auch interessieren, wie der „’Homo-Unterricht’ in den Schulen“ aussieht, den von Gersdorff entdeckt haben will.

Alles in allem handelt es sich also um eine Hetzschrift auf dem Niveau der BILD-Zeitung. Kann man das nicht einfach ignorieren? Nein, kann man nicht! Zugegeben, es bereitet körperliche Schmerzen, sich mit einem solch geballt reaktionären Machwerk auseinandersetzen zu müssen, aber man muss, man muss, man muss! Und ja, wir werden auch weiterhin die „Alt-68er“ wählen und unterstützen aus dem einfachen Grund, dass es in diesem Land verdammt nochmal keine einzige vernünftige Alternative dazu gibt, wenn man nicht von Leuten regiert werden will, die in jeder feuchten Flatulenz sofort den Untergang des Abendlandes heraufziehen sieht (solange sie nicht aus einem in Rom geweihten Arsch kommt, versteht sich).

Auch wenn Herr von Gersdorff nicht genügend Geld auftreiben sollte, um seinen „Aufruf“ wie geplant in diverse Zeitungen zu bringen (er ist auch schon bei der „Jungen Freiheit“ publizistisch aktiv geworden, was nach all dem gesagten nicht weiter verwundert), so ist er doch bestrebt, möglichst viele willige Helfer zu finden, die den mitgeschickten Appell „Wir brauchen Moral in der Politik!“ unterzeichnen und an den Bundespräsidenten senden.

Non habemus papam, sed habemus Rad ab, aber mächtig gewaltig! Sag am Ende keiner, er habe davon nichts gewusst.

Tina Manske

© 2005 Titel-Magazin

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